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Afrika

Namibia – 2008

Namibia, das Land im Südwesten Afrikas, steht für unendliche Weite, Zeitlosigkeit und Afrika pur.

Von Windhoek aus startete unser neues Abenteuer mit dem Allrad-Camper in Richtung Süden zum Köcherbaumwald. Der Köcherbaum ist kein Baum sondern eine Aloen-Art und gehört zu den Sukkulentenpflanzen. Der urige Campingplatz stimmte uns gleich richtig in unsere erste Afrikareise ein. Hier hatten wir auch schon das erste Hindernis. Ein Teil unserer Leiter für das Dachzelt auf dem Auto war nicht auffindbar. Wir befürchteten schon, dass wir die nächsten vier Wochen über den Campingtisch ins Dachzelt klettern müssen oder die Tagesetappe von 400 km zum Autovermieter zurückfahren müssen. Als das Leiterteil unter der Matratze auftauchte waren wir merklich erleichtert

Weiter ging es über den Fish River Canyon zum Oranje River, welcher hier die Grenze zwischen Südafrika und Namibia bildet. Die Gegend ist hier karg und sehr einsam. Ohne GPS hätten wir so manchmal unsere Probleme gehabt. Hier führte uns das Navi über nicht ausgeschilderte Schotterpisten und einheimische Dörfer. Die reizvolle und einsame Natur während der Fahrt am Oranje River entlang beeindruckte uns.

Bei Lüderitz besichtigten wir die Diamanten-Geisterstadt Kolsmanskop und gönnten uns an der Atlantikküste einen schmackhaften Fisch.

Auf dem Weg nach Norden führte unsere Route zwischen Tirasberge und Namib-Naukluft Park in eine einsame Landschaft, mal bergig dann wieder sandige Flächen und in der Sonne silbern blitzende Gräsermeere. Als die Schilder und auch das GPS den Abzweig zur Koimasis Farm anzeigten stutzten wir. Konnte es sein, dass wir nun 20km auf einem einspurigen sandigen Feldweg zurücklegen sollten? Ja, die Farm befindet sich tatsächlich weit abseits der Sandpiste sehr schön gelegen in den Tirasbergen.

Das nächste Ziel, Sossusvlei mit den weltweit höchsten Sanddünen gilt als sehr bekanntes Fotomotiv. Eine Stunde vor Sonnenaufgang in Dunkelheit brachen wir auf, um die 65km zwischen dem Dünengebiet und dem Parkeingang zurückzulegen. Im Park darf nicht übernachtet werden und das Gate hat pünktlich von 5:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Alle Personen und Fahrzeuge werden bei der Ein- und Ausfahrt registriert. Auf den letzten 5 km konnten wir unsere ersten Erfahrungen mit Tiefsand sammeln, welche nützlich für unsere weitere Route waren. Das herumkraxeln auf den Dünen war sehr anstrengend. Der Anstieg ist steiler und länger als man denkt, wenn man die Düne von unten so anschaut. Zusätzlich versinkt man mit jedem Schritt tief im Sand und hat das Gefühl nicht vorwärts zu kommen. Das Schauspiel der Farben und Schatten ist faszinierend und lässt die Anstrengungen fast vergessen. Sehr bekannt ist das Deadvlei mit den abgestorbenen Bäumen als Fotomotiv.

Ein Stückchen Deutschland am Rand der Wüste. So wird das kleine Küstenstädtchen Swakopmund häufig beschrieben. Es ist sehr viel von der deutschen Atmosphäre erhalten geblieben. Sowohl von der Architektur her als auch sprachlich sind die deutschen Wurzeln unverkennbar. Seit 2002 wurden zwar viele Strassen und Gebäude in afrikanische Namen umbenannt, die meisten Pensionen, Hotels und auch Campingplätze haben jedoch immer noch deutsche Namen. Im Cafe Anton genossen wir im typisch deutschen Ambiente Kaffee und Kuchen.

Der Temperaturunterschied zur Wüste ist hier an der Küste enorm. Durch den kalten Benguela-Strom aus der Antarktis kommend ist es meist neblig und nasskalt. So stellt man sich Afrika ganz und gar nicht vor. Der über 1000 km lange Sandstrand Namibias hat keine Palmen, kein Grün und eiskaltes Wasser. An einen Badeurlaub ist hier nicht zu denken.

Von hier starteten wir einen dreistündigen Rundflug mit einer Cessna über die Namibwüste. Aus der Vogelperspektive kann man einen sagenhaften Blick geniessen. Dem schweizerischen Piloten machte sein Job sichtlich Spaß. Im Tiefflug düsten wir durch die Dünenlandschaft.

Auf unserem Weg zum Etosha NP übernachteten wir auf einer Cheetah Farm (Cheetah engl. für Gepard). Der Gepard ist das schnellste Säugetier mit bis zu 110 km/h. Er ist von Natur aus friedlich, kein Kämpfertyp und daher leicht zähmbar. Drei Weibchen konnte man am Hauptgebäude der Farm streicheln und kraulen. Sie schnurren wie Hauskatzen nur ein wenig lauter. Schon ein bißchen komisch und ein mulmiges Gefühl hat man auch dabei.

Als wir in den Etosha NP hinein fuhren blieben wir ganz fasziniert bei den ersten Zebras stehen und fotografierten. Die Tierwelt hat hier eine ganze Menge zu bieten. Im Etosha unternimmt man die sogenannten Game-Drives (engl. für Wildbeobachtung). Man fährt von Wasserloch zu Wasserloch und beobachtet die Tiere. Zebra, Gnu, Giraffe, Vogelstrauß, Warzenschwein, Oryx, Springbock, Impala, Kudu, Puku, Schakal, Hyäne, Pelikan, Flamingo, Elefant und selten bei Tageslicht zu beobachtendes Nashorn. Löwen sahen wir leider keine. Dafür konnten wir sie nachts raunzen hören. Es war spannend den Löwengeräuschen im Dachzelt zu lauschen.

Durch den Caprivi-Streifen ging es in Richtung Botswana. Vor dem Grenzübertritt übernachteten wir auf dem Campingplatz der Kalizo Lodge am Sambesi. Die letzten fünf Kilometer zur Lodge waren Abenteuer pur. Der sandige Weg war zum Teil über einen halben Meter überflutet. Bei der ersten Überflutung streikte Nicole zuerst. „Nein! Wir drehen hier um!“. Ein paar Südafrikaner waren mit ihren Outdoor-Trailern (engl. Anhänger) bereits hinter dieser Passage. „No problem! Take the low gear and keep left at that sign.“ so die Anweisung von ihnen und wir versuchten es. Wir schlossen uns den Südafrikanern an. Zweimal blieb ein Fahrzeug mit Anhänger stecken. Markus und die Männer hatten ihren Spaß bei der Aktion. Endlich am Campingplatz angekommen grillten wir uns ein T-Bone Steak, tranken Bier und Savanna, und genossen den Sonnenuntergang am Sambesi.

In Katima Mulilo mussten wir uns auf der Polizeistation eine Bescheinigung ausstellen lassen, damit wir für einen Grenzübertritt mit einem Mietwagen berechtigt sind. An der Grenze wurden wir dann noch von einem Veterinärsposten kontrolliert. Die frischen Lebensmittel wie Milch und Fleisch hatten wir zuvor im Dachzelt versteckt. Vorschriftsgemäß fuhren wir mit unserem Fahrzeug durch die Desinfektionspfütze und mussten unsere Schuhsohlen an einer getränkten Fussmatte abstreifen.

Kasane war der Ausgangspunkt für eine Bootstour auf dem Chobe River. Hier sahen wir eine vielfältige Vogeltierwelt, Paviane, Büffel, Antilopen, Krokodile, riesige Elefantenherden und Hippos, auch Nilpferde genannt. Das behäbig wirkende Flusspferd tötet in Afrika mehr Menschen als jedes andere Tier. Die tonnenschweren Giganten sind an Land unglaublich schnell. Wer sich zwischen sie und das Wasser begibt, läuft Gefahr, niedergetrampelt zu werden.

Für das folgende sandige Chobe-/Moremi-Geländewagenabenteuer, ca. 400 km zwischen Kasane und Maun, mussten wir unser Auto noch volltanken. Durch den integrierten Doppeltank war das Auto bestens gerüstet für solch eine Tour, aber erst muss man ihn auch voll bekommen. Die erste Tankstelle die wir anfuhren hatte kein Benzin. An der nächsten Tankstelle herrschte Chaos und nach einer knappen Stunde war dann vollgetankt. Auch den Proviant und die Trinkwasserreserven stockten wir zuvor im Supermarkt nochmals auf. Ohne GPS wären wir hier auf unserer geplanten Tour aufgeschmissen gewesen.

Die erste Etappe nach Savuti wurde mit 160 km angegeben. Hierfür benötigten wir mit Fotostopps etwa vier Stunden. Das Afrikaerlebnis ist hier sehr intensiv. Ein Elefant trottete gemütlich mitten durch unseren Campingplatz. Es ist nichts eingezäunt. Falls man Nachts auf die Toilette muss braucht es schon ein bißchen Mut. Nachdem wir Nachts wieder Löwen raunzen hörten, konnten wir sie am nächsten Morgen nicht weit von unserer Übernachtung in freier Wildbahn erleben. Im Moremi NP hätten wir um ein Haar unser Auto in einem Wasserloch versenkt. Üblicherweise sollte man unbekannte überflutete Wegstrecken vor der Weiterfahrt durchwaten. Die Pfütze sah gar nicht so dramatisch aus. Als uns das Wasser aber für eine halbe Sekunde durchs geöffnete Seitenfenster lief und wir Gott sei Dank nicht stecken geblieben sind, sahen wir uns entsetzt an und machten später um solche Stellen einen Bogen oder drehten um. Später nachgemessen muss das Loch ca. 1,10 m tief gewesen sein.

Auch bei den vielen Tiefsandstrecken hatten wir Glück und blieben nicht stecken. Auf einer Campsite trafen wir Franzosen, welche nicht so viel Glück hatten und sogar bis zum nächsten Tag auf Hilfe warten mussten.

Die erlebnisreichen Wochen waren wieder viel zu schnell vorbei. Es war erlebnisreicher und intensiver Urlaub an den wir uns gerne erinnern.